Flottenmanagement 06/2017: Wiedererkennungswert

Flottenmanagement 06/2017: Wiedererkennungswert

Lieferfahrzeuge, Krankenwagen, Taxis und Handwerkerautos haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind mit Spezialfolien beklebt, die so für einen hohen Wiedererkennungswert sorgen. Bei Einsatzfahrzeugen der Polizei oder der Feuerwehr dienen Signalfarben der Sicherheit bei der schnellen Fahrt zum Einsatzort, in anderen Branchen soll die Beklebung einen Werbeeffekt erfüllen. In beiden Fällen jedoch kümmern sich Spezialisten um die Folierung der Fahrzeuge.

Eines gleich vorweg: Folie ist nicht gleich Folie und Beklebung ist nicht gleich Beklebung. Es gibt unterschiedliche Techniken und Verfahren, die Folie auf dem Fahrzeug anzubringen. Dienstleister unterscheiden prinzipiell zwischen Voll- und Teilfolierung. Also entweder wird das ganze Fahrzeug mit einer Folie beklebt oder eben nur Teile. Diese Folierungsarten können jeweils farbig in Form von Car-Wrapping-Folien oder Digitaldruckfolien mit Bildmotiven erfolgen. Auch bei der Herstellung der Folien zeigen sich Unterschiede. So gibt es beispielsweise monomer kalandrierte, polymer kalandrierte und gegossene Folien.

So unterschiedlich die Folien sind, so komplex ist auch die Anbringung derselben. Eine Vollverklebung eines Pkw kann mitunter schon einmal 40 Stunden und mehr in Anspruch nehmen. Dies hängt natürlich auch von der Größe und Komplexität der Bauteile des Fahrzeugs ab. „Hinzu kommen aber immer noch begleitende Arbeiten wie Vorreinigung, Demontage von Anbauteilen, Folienzuschnitt, Montage der Anbauteile nach der Folierung und Endkontrolle. Wenn uns ein Kunde ein Fahrzeug zur Folierung bringt, ist mit einer Verweildauer des Fahrzeugs von drei bis fünf Tagen zu rechnen“, erläutert Marco Kimme, Prokurist der INTAX GmbH. Bei einer Vollverklebung muss das Fahrzeug, genau wie bei einer Lackierung auch, zerlegt werden. Das heißt, Spiegel, Stoßfänger, Türgrif fe et cetera müssen entfernt und separat beklebt werden. Bei einem Leasingfahrzeug werden in der Regel die Türeinstiege nicht beklebt. Technisch ist dies zwar möglich, jedoch relativ aufwendig und daher nicht unbedingt nötig.

Aus diesem Grund ist die ursprüngliche Wagenfarbe nicht ganz egal, wie Markus Schäf fler, geschäf tsführender Gesellschaf ter und CEO der SIGNal Reklame GmbH, weiß: „Besonders gut sind weiße, silberne, graue oder schwarze Autos zum kompletten Folieren geeignet, da sie über eine neutrale Farbe verfügen, wenn man die Tür öf fnet, die dann nicht mit Folie ausgelegt ist, und sie haben obendrein die besten Chancen und damit den besten Wert im Wiederverkauf.“ Aus Sicht des Flottenleiters ist es zudem wichtig, auf Qualität zu achten, und das sowohl beim verwendeten Material als auch bei der Verarbeitung. So warnen die Dienstleister vor Billigangeboten, denn auch bei der Fahrzeugbeklebung hat Qualität ihren Preis. Billige Folien sowie eine kürzere Verarbeitungszeit drücken zwar den Preis, können aber zu versteckten Mängeln und späteren Reklamationen führen, so die Experten. Die Folien könnten sich zum Beispiel lösen oder sich hinterher schwerer wieder entfernen lassen.

Gute Arbeit kann man unter anderem an den Schnittkanten erkennen. Es sollte idealerweise zu keiner Überlappung kommen und die Kanten sollten sauber ausgearbeitet sein. Dazu arbeiten die Folierer mit einer speziellen Knifeless-Technik. Hierbei kommen statt eines Messers, das eventuell Schäden am Lack verursachen könnte, sogenannte Schneidebänder zum Einsatz (siehe Bild). Diese werden entlang der Schnittkante ähnlich wie Klebeband angebracht. Anschließend kommt die gewünschte Folie auf das Fahrzeugteil. Ist diese blasenfrei aufgetragen worden, kann das überstehende Material durch das Abziehen des Schneidebands sauber abgetrennt werden.

Ein weiteres Qualitätsmerkmal bei der Wahl eines geeigneten Folierers für die eigene Flotte ist die Unterstützung bei der Konzeption und Planung dessen, was später auf die Fahrzeuge geklebt werden soll. Schließlich möchte man den besagten Wiedererkennungswert ja im positiven Sinne für das eigene Unternehmen nutzen. Daher sollte man gemeinsam mit dem Folierer die Beklebung im Voraus planen. So schildert Markus Schäffler: „Selbst der besten Agentur fehlt hier die Erfahrung, wie man Fahrzeuge gestaltet. Wichtig ist, dabei die Verarbeitung mit einfließen zu lassen. Läuft die Grafik zum Beispiel über die Türgrif fe, müssen diese ausgebaut werden, um die Folie sauber zu verarbeiten. Das treibt die Kosten manchmal unnötig in die Höhe.“ Hinzu kommt, dass sich gewisse Teile, wie beispielsweise nicht lackiertes Plastik, gar nicht bekleben lassen. Für diese Details, gerade um Kosten des Gesamtprojektes im Blick zu halten, ist es sehr wichtig, einen Werbetechnik-Fachmann mit Flottenerfahrung von Anfang an miteinzubeziehen.

Dieses Beispiel zeigt mal wieder deutlich, dass man den gesamten Prozess betrachten sollte, bevor man eine Entscheidung trifft. Im Falle der Fahrzeugfolierung schließt dies auch den Einsteuerungsprozess mit ein. Da je nach Beklebung und Fahrzeugart viele Arbeitsstunden nötig sind, sollte das Fahrzeug am besten schon fertig beklebt sein, bevor es zum ersten Mal auf den Hof des Unternehmens rollt. Barbara Lörcher, Leitung Abteilung Werbetechnik bei TREND Werbesysteme GmbH & Co. KG erklärt dazu: „Der Vorgang, dass Neufahrzeuge vor Endauslieferung foliert werden ist bei uns die Regel; üblicherweise ist dafür die Vorlaufzeit großzügig bemessen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Der Kunde profitiert so von dem stringenten Prozess.“

Fazit

Folie drauf und fertig; so einfach ist die Fahrzeugbeklebung im Flottenbereich dann doch nicht. Es lohnt sich jedoch, ein wenig Zeit und Mühen in die Beklebung der eigenen Fahrzeuge zu investieren. Das Investment wird indirekt durch eine bessere Unternehmenswahrnehmung, einen höheren Restwert bei der Fahrzeugrückgabe und ein einheitliches Flottenerscheinungsbild zurückgezahlt.

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